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TV-Kritik: „Her mit der Marie“: Wiener „Tatort“ hammerstark!

Von Ulrich Feld Eine fein ausgetüftelte Geschichte, nostalgisch-dichte Optik und eine Glanzleistung von Simon Schwarz: So sieht ein Sonntagskrimi-Höhepunkt aus. Bibi Fellner (Adele Neuhauser) nimmt ihren alten Kumpel Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz) bei einem lockeren Plausch unter die Lupe. Bild: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Bibi Fellner (Adele Neuhauser) nimmt ihren alten Kumpel Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz) bei einem lockeren Plausch unter die Lupe. Bild: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican

Wenn im Tatort ein Mercedes-Coupé der Baureihe 107 aus den siebziger Jahren durchs Bild fährt, konnte man bisher davon ausgehen, dass die Geschichte in Köln spielt und Kommissar Freddy Schenk am Steuer sitzt. Doch hier genießen zu Anfang zwei Vertreter der Wiener Unterwelt die Fahrt bei gutem Wetter. Schicke Oldtimer spielen auch sonst eine Rolle, darunter mit einem BMW- Coupé  in Schockfarben sogar ein Konkurrent der 107er Reihe.

Ob die Strizzis und ihre Handlanger im richtigen Leben auch so stilbewusst sind, darf bezweifelt werden. Nicht zu bestreiten ist dagegen, dass der neue Wiener „Tatort“ in Sachen Optik einen Volltreffer gelandet hat. Schlägerfrisuren, stilvoll verrauchte Szenen in schummrigen Kneipen, knarzige Lederjacken und das akustisch untermalt mit Dialogen im feinsten Wiener Schmäh – so nostalgisch dicht und heimelig hat das schon lange kein Sonntagskrimi mehr geboten oder besser zelebriert. 

 

Ein Boss, mit dem nicht zu spaßen ist

 

Wie man eine Schusswaffe auf Wienerisch bezeichnet, dürfte Zuschauern, die noch die achtziger Jahre mit der EAV und "Ba-Ba-Banküberfall" erlebt haben, ja nicht unbekannt sein. Schön also, dass es so viel zu gucken und auch dank wunderbarer Dialoge zu hören gibt. Noch besser, dass das Drehbuch mit dieser feinen Optik mühelos Schritt hält.
 

Einer der beiden Insassen des Mercedes – es geht um einen Geldtransport - wird nämlich die Fahrt nicht überleben. Und dann ist jede Menge Geld verschwunden und Unterweltboss Joseph Fenz alias „Dokta“ (Erwin Steinhauer) ziemlich sauer. Der Überlebende hat ein Problem. Und das nicht nur, weil die Witwe des Toten den Mörder ihres Mannes tot sehen will.

Aber auch Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ist in dieser Folge eifrig dabei, an dem Ast zu sägen, auf dem sie sitzt. So an ihrer Arbeitsbeziehung zu Kollege Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Ist eben gar nicht so einfach, wenn man mit einem so halbseidenen Typen wie Inkasso-Heinzi eine allzu enge Freundschaft pflegt und ihn sogar in der eigenen Wohnung übernachten lässt.  

 

Simon Schwarz mit Spitzenleistung

 

Gespielt wird der Heinzi von Simon Schwarz. Wer es bisher noch nicht wusste, dass Schwarz aus der Serie „Vorstadtweiber“ viel zu früh eliminiert wurde, der kann sich spätestens hier überzeugen lassen. Besonders am Ende liefert Schwarz eine schauspielerische Glanzleistung. Unterstützung bekommt er dabei von einem Drehbuch, das Themen wie Freundschaft und Loyalität aufs Beste mit einer mitreißenden schwulen Liebesgeschichte verknüpft.

Stefan Hafner und Thomas Weingärtner haben es geschrieben und liefern damit ein hammerstarkes „Tatort“-Debüt. Hier stört es nicht einmal, dass in vielen Szenen gegessen wird: Das gibt es auch in Sergio Leones Italo-Western. Und hier passt es zu den skurrilen, aber nicht überzeichnete Typen.

Abgerundet wird die Geschichte durch ein paar ziemlich rasante Szenen, die den Plot bis zum Ende hübsch unter Dampf halten. Barbara Eder, die das Ganze mit viel Gefühl und einer kleinen Prise Ironie in Szene setzte, hat deshalb nach „Virus“ einen weiteren Volltreffer gelandet. Und den ersten Höhepunkt der laufenden Krimi-Saison geliefert.

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„Her mit der Marie“: Wiener „Tatort“ hammerstark!
Eine fein ausgetüftelte Geschichte, nostalgisch-dichte Optik und eine Glanzleistung von Simon Schwarz: So sieht ein Sonntagskrimi-Höhepunkt aus.
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14.10.2018
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