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Prozess um vergiftete Pausenbrote - Neue Thesen zum Motiv

Ein Mann vergiftet seinen Kollegen ihr Pausenbrot. Die Frage nach dem Warum bleibt im Prozess ein Rätsel. Ein Psychologe und ein Psychiater liefern kurz vor dem Ende des Verfahrens vorsichtige Hinweise.

Bielefeld. 

Im Bielefelder Prozess um vergiftete Pausenbrote haben am Dienstag zwei Experten Hinweise zum bislang rätselhaften Tatmotiv gegeben.

Es bleiben aber Spekulationen, denn der Angeklagte Klaus O. schweigt beharrlich zu den Vorwürfen. Bis auf eine Ausnahme: Der 57-Jährige äußerte sich im Gespräch mit einem Psychologen in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld.

Diesem JVA-Mitarbeiter zufolge wollte der Angeklagte wie ein Wissenschaftler mit den Giftstoffen experimentieren. Nach seinem Eindruck habe der 57-Jährige an seinen Kollegen beobachten wollen, wie das Gift auf ihren Pausenbroten wirkt, sagte der Psychologe am Dienstag als Zeuge vor dem Landgericht Bielefeld aus.

„Seine Äußerungen zu seinem Motiv kamen mir vor wie bei einem Wissenschaftler, der ausprobiert, wie Stoffe wirken bei einem Kaninchen”, sagte der Psychologe. Er hatte seit Sommer 2018 fünfmal in der Untersuchungshaft mit dem Angeklagten gesprochen. Dabei ging es um die Frage, ob der der Mann suizidgefährdet ist.

Für den forensischen Psychiater, der den Angeklagten im Auftrag des Gerichts begutachtete, blieb das Motiv hingegen rätselhaft. Klaus O. verweigerte ihm ein Gespräch. Der Experte erläuterte den Richtern aber, dass der Angeklagte mit den Vergiftungen der Kollegen angefangen habe, als ein unerfüllter Kinderwunsch ihn belastete. Durch eine künstliche Befruchtung sei der Kinderwunsch dann noch in Erfüllung gegangen. Das Ehepaar bekam Nachwuchs mit Down-Syndrom.

„Parallel zur verzögerten Entwicklung des Kindes gab es einen neuen Schub bei den Vergiftungen. Der Angeklagte stand der Behinderung des eigenen Sohnes hilflos gegenüber. Auf der anderen Seite schwang er sich über Leben und Tod auf”, sagte der Gutachter. Hier gebe es wohl einen Zusammenhang - mit Sicherheit könne er das aber nicht belegen.

Ansonsten sei der Angeklagte psychisch gesund und damit voll schuldfähig. Eine Strafminderung komme somit nicht infrage. Allerdings attestiert der forensische Psychiater dem 57-jährigen Angeklagten eine große kriminelle Energie und einen Hang zu weiteren Straftaten. Daher empfahl der Mediziner Sicherungsverwahrung.

Klaus O. muss sich vor dem Landgericht Bielefeld wegen versuchten Mordes in drei Fällen verantworten. Laut Anklage soll er über Jahre Arbeitskollegen in Schloß Holte-Stukenbrock mit vergifteten Pausenbroten und Getränken gesundheitlich geschädigt haben. Zwei der Kollegen sind schwer nierenkrank, ein weiteres Opfer hat einen Hirnschaden und muss im Wachkoma von seinen Eltern betreut werden.

Der Prozess wird am Mittwoch mit dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft fortgesetzt.

(dpa)
Artikel vom 26.02.2019, 16:28 Uhr (letzte Änderung 26.02.2019, 16:31 Uhr)

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