Verein will Planungssicherheit

Von MATTHIAS BITTNER

Bornheim Stadt soll sich äußern, ob der Fußballclub nach Bau der Einhausung einen Trainingsplatz auf dem Deckel bekommt

Sorgen um die Zukunft der SG Bornheim/Grün-Weiß 1945 macht sich dessen Ehrenvorsitzender Klaus Schmidt. Er will endlich Planungssicherheit und Auskunft von der Stadt, was auf dem „Deckel“ der Einhausung geschieht.

Klaus Schmidt (78) überlegt, macht eine ernste Miene und sagt dann frei heraus, dass er der Sache noch nicht so ganz traut. Der Ehrenvorsitzende der SG Bornheim/Grün-Weiß meint die Einhausung der A 661 zwischen dem Nordend, Bornheim und Seckbach. Die hat die Römer-Koalition beschlossen. Vergangene Woche wurde verkündet, dass die Variante „L2“ bevorzugt werde. Diese sieht vor, die Autobahn auf einer Länge von rund einem Kilometer zu überbauen. Auf dem Deckel soll ein Park angelegt werden.

Das sei alles schön und gut, sagt Schmidt. Er habe allerdings noch kein Wort davon gehört, ob auf dem Deckel auch ein Sportgelände vorgesehen ist. Das sei dem Verein vor Jahren eigentlich zugesichert worden, sagt der 78-Jährige und führt aus: „Wir sehen immer nur schöne Bilder, wie alles mal aussehen soll, klare Aussagen gibt es aber nicht. Ich bin zutiefst unzufrieden damit, denn für uns ist das eine existenzielle Frage.“ Schmidt will Planungssicherheit. Ihn treibt die Frage um, ob der Verein mit 750 Mitgliedern auf dem Gelände in der oberen Berger Straße eine Zukunft hat.

Kapazitäten erschöpft

Reagieren müsse man aber so oder so. Denn die SG sei längst am Limit angekommen, alle Kapazitäten seien erschöpft. 26 Fußballteams aller Altersklassen sind für den Spielbetrieb gemeldet – allerdings steht nur ein einziger Fußballplatz zur Verfügung. „Das ist viel zu wenig, deswegen brauchen wir dringend einen zweiten“, sagt Schmidt. Der Kunstrasenplatz sei während der Saison an sieben Tagen die Woche belegt. Laut Platzwart Christian Walter startet das Training oft schon um 14 Uhr, die letzten Spieler verlassen den Platz dann um 22 Uhr. An Wochenenden sind acht bis elf Spiele auf dem Kunstrasenplatz. „Wir könnten 40 Mannschaften melden, müssen aber passen, weil wir keine Kapazitäten mehr haben“, bedauert Walter.

Die Platzprobleme sind aber nur die Spitze. Der Ehrenvorsitzende macht sich mittlerweile auch Sorgen um den guten Ruf des Vereins. Denn der Zustand der vier Umkleiden, der Toiletten, der Duschen, kurzum die ganze Infrastruktur auf dem Sportgelände, sei nicht mehr zeitgemäß. Für die rund 100 Zuschauer, die zu den Verbandsligaspielen kommen, gibt es keine Tribüne mit Sitzplätzen – sie müssen mit Biergarnituren vorlieb nehmen. Eigene Umkleiden für Frauen gibt es überhaupt nicht. Deshalb meiden die Spielerinnen auch die WC in den sanitären Anlagen und gehen lieber in der Frauentoilette in der Wirtschaft aufs Klo.

Ortsbeirat in der Pflicht

Schmidt ärgert sich immer noch darüber, dass zwei Projekte in der Vergangenheit sich nicht haben realisieren lassen. Der Bau eines neuen Umkleidetraktes für Frauen vor einigen Jahren gegenüber des 1980 erbauten Funktionsgebäudes scheiterte am Veto des Grünflächenamtes, der Bau eines Sportkindergartens mit 30 Plätzen an der Finanzierung. „Wir hätten uns damals verschuldet für das Projekt“, sagt Schmidt. Der komplette Funktionstrakt wäre abgerissen worden und für 2,5 Millionen Euro ein neues, zweistöckiges Gebäude errichtet worden. Doch schließlich fehlten zur Finanzierung eine Million Euro. „Leider“, bedauert Schmidt und gibt die Devise aus: Jetzt muss sich etwas tun. In die Pflicht nimmt er die Stadtteilpolitiker des zuständigen Ortsbeirates 4 (Bornheim, Ostend). Die sollten den Verein beistehen und sich nicht nur sehen lassen, wenn es etwas zu feiern gibt, meint der 78-Jährige.

Marc Gellert, Sprecher von Planungsdezernent Mike Josef (SPD), hat Verständnis für die Sorgen von Schmidt. Da das Projekt aber erst ganz am Anfang stehe, könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, wie die Grünfläche auf dem Deckel tatsächlich später einmal aussehe. „Wie die konkrete Nutzungsaufteilung sein wird, ist auch noch nicht klar“, sagt Gellert. Die Einhausung sei aber diesbezüglich kein Einzelfall. „Das ist auch bei tausend anderen Projekten der Fall“, vertröstet er Schmidt.

Artikel vom 05.03.2019, 03:00 Uhr (letzte Änderung 05.03.2019, 03:30 Uhr)

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